Ludwig Groß, ehemaliger Vorsitzer und Ehrenvorsitzer des Stenografenverein 1925 Treysa e. V., wurde am 18. April 1926, vor 100 Jahren, in Treysa geboren. Er trat mit knapp 13 Jahren, im Februar 1939, in den Verein ein und entdeckte seine Leidenschaft für die Stenografie.
Kurze Zeit danach übernahm er erste Vorstandstätigkeiten. Die Vereinsarbeit wurde in den Jahren des Zweiten Weltkrieges durch die Auflösung des Vereins und Überleitung in die Ortsgruppe Treysa der Deutschen Arbeitsfront stark eingeschränkt. Ludwig Groß wurde als junger Mann in die Wehrmacht eingezogen, war als Soldat in der Normandie und kam in britische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1948 entlassen wurde.
Am 15. Oktober 1948 war er eines der Mitglieder, der die Wiedergründung des Vereins initiierte. Im Januar 1954 wurde er zum Vereinsvorsitzer gewählt, ein Amt, das er 26 Jahre bis zum Januar 1980, innehatte. In den 1950er Jahren absolvierte der gelernte Kaufmann seine Ausbildung zum Staatlich geprüften Lehrer der Kurzschrift und des Maschinenschreibens und war für lange Zeit der einzige Fachlehrer im Altkreis Ziegenhain. Ab Oktober 1955, in den ersten Jahren zunächst mit Lehrauftrag, war er bis zum Sommer 1988 im Hauptberuf als Fachlehrer für arbeitstechnische Fächer an den Beruflichen Schulen in Ziegenhain tätig.
Tausende junge Menschen und Erwachsene hat er in den langen Jahren seiner Tätigkeit in Schule und Verein in ihrer beruflichen Aus- und Weiterbildung begleitet. Unter seiner Führung wurde der Vereinsunterricht im Maschinenschreiben weiter ausgebaut. Seine Philosophie „Wir gehen zu den jungen Leuten hin“ führte dazu, dass der Verein seine Lehrgänge in einem Dutzend Orten des Altkreises Ziegenhain und darüber hinaus anbot, in Treysa in einem eigenen Unterrichtsraum, in den anderen Orten in den Schulen. Dadurch stieg die Mitgliederzahl stetig an und der Verein war bei den Wettbewerben bis hin zu den Deutschen Meisterschaften und Weltmeisterschaften sehr erfolgreich. In der Spitze, im Jahr 1974, führte der Verein 55 Lehrgänge in Kurzschrift und 54 im Maschinenschreiben mit insgesamt über 1300 Teilnehmenden durch. 1979 war der Verein einer der weltgrößten örtlichen Stenografenvereine.

Ludwig Groß im ersten eigenen Unterrichtsraum 1967 in der Reichenberger Straße in Treysa
Aber nicht nur in „seinem“ Verein war er aktiv. Ehrenamtlich war er in den Prüfungsausschüssen der Industrie- und Handelskammer Kassel, unter anderem in der Sekretärinnen-Ausbildung, tätig und übernahm auch Führungsfunktionen im Stenografenbezirk Nordhessen, im Hessischen Stenografenverband sowie im Landesverband Hessen des Deutschen Stenografielehrerverbandes. Bis zu seinem Tod am 22. Juni 1993 leitete er Lehrgänge des Vereins.
Für seine langjährigen Verdienste wurde er von den stenografischen Organisationen mit der Gabelsberger-Plakette und der Ehrenmitgliedschaft des Hessischen Stenografenverbandes sowie dem Ehrenvorsitz des Stenografenbezirks Nordhessen ausgezeichnet. Vom Land Hessen erhielt er den Ehrenbrief.
„Als Apostel in Sachen Stenografie reiste Ludwig Groß in den 1940er und 1950er Jahren durch die Schwalm und baute in mühevoller Kleinarbeit und unter großem persönlichem Einsatz den heute größten Stenografenverein der Welt auf“, führte Karl-Heinz Ide, sein langjähriger Weggefährte und Vorstandskollege, in der Laudatio während der Feierstunde am 14. März 1980 aus, in der ihn der Verein zu seinem Ehrenvorsitzer ernannte.

In der Jahreshauptversammlung im Januar 1979 wurde Ludwig Groß für 25-jährige Tätigkeit als Vorsitzer geehrt.
Stellvertreter Klaus Bock überreichte einen Ehrenteller.
Das Wirken und die Verdienste von Ludwig Groß wird der Verein im Rahmen einer Fachtagung im November dieses Jahres in Treysa würdigen.